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U2 – Where The Streets Have No Name

So entstehen die Geschichten, die der Rockfan hören will: Der Produzent ist frustriert, ordnet an, alle bisherigen Aufnahmen zu löschen. Weil aber der Co-Produzent eben ein Band nicht löscht, bekommt der Song sofort etwas Geheimnisvolles. Zumindest, als die Sache auffliegt. Geschehen ist dies bei U2s Aufnahmen zu „Where The Streets Have No Name“.

„The Edge“ hatte seinen ultimativen Song schreiben wollen. Was er aber der Band aufdrückte, war für die Rhythmussektion tödlich. „Die ungewohnte Rhythmik machte allen schlechte Laune“, erinnerte sich Co-Produzer Daniel Lanois später. Die Konsequenz: Wie in der Schule ging man die Taktwechsel des Songs Schritt für Schritt an einer großen Tafel durch. Kein Wunder, dass Produzent Brian Eno die Faxen dicke hatte. Über 40 Prozent der Aufnahmezeit für den gesamten Longplayer verwendete die Band auf „Where The Streets Have No Name“. Als der Song endlich im Kasten war, war etwas Großes gelungen. Nicht zuletzt wegen des Textes von U2-Shouter Bono:

„Ich will weglaufen, will mich verstecken. Ich will die Mauern niederreißen,
die mich gefangen halten. Ich will die Hände ausstrecken und die Flamme berühren.
Wo die Straßen keine Namen haben. Ich will Schutz finden vor dem giftigen Regen.
Erst bauen wir Liebe auf, dann brennen wir sie nieder.
Dass ich mit dir dorthin gegangen bin, ist alles, was ich tun kann.“

Wie so oft bleibt auch bei diesem U2-Song der Sinn erst einmal unklar. Bonos Text entsteht, als er mit seiner Frau eine Hilfsaktion nach Äthiopien begleitet. Dort entdeckt Bono Straßen ohne Namen. Oft gibt es hier nur Hausnummern. Eine tolle Idee für Belfast und viele andere Städte Irlands und Nordirlands: Denn dort verraten bereits die Straßennamen alles über ihre Bewohner: Wer reich ist, wohnt in anderen Straßen als Arme. Katholiken wohnen in anderen Straßen als Protestanten. Sogar die politische Überzeugung der Bewohner ist am Straßennamen ablesbar.
Bono findet das schlichtweg… zum Kotzen. Und angeblich schreibt er den Songtext auf dem Rückflug … ganz passend auf einen Kotzbeutel. Einen Song über eine Stadt ohne verräterische Straßennamen. Einer, der von Gleichberechtigung, Chancengleichheit und der Würde des Menschen handelt. Und der sagt, dass alle Menschen gleich sind. Oder wie die frommen Iren wohl sagen würden: Alle Menschen sind gleichermaßen Gottes Kinder! Ein Song über eine fiktive, wünschenswerte Stadt ohne Straßennamen. U2 mit Where The Streets Have No Name.

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