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Eagles, The – Hotel California

HaPe Kerkelings 1995er-Film „Club Las Piranjas“ war Komödie und Horrortrip gleich-zeitig. Alles drehte sich um einen durchorganisierten Urlaub in einem Feriencamp – aus dem kein Urlauber entkommen konnte. Ein Motiv, das die Eagles bereits 1976 verarbeiteten – in ihrem wohl populärsten und mystischten Song Hotel California.

„Eine Frau stand am Torweg, sie zündete ein Licht an und zeigte mir den Weg. Ich dachte, dies könnte Himmel und Hölle sein. Auf dem Korridor hörte ich Stimmen: Willkommen im Hotel California. Und die Frau sagte: ´Wir sind allesamt Gefangene hier, aber freiwillig. In der Kammer des Meisters versammeln sie sich zum Festmahl. Sie stechen mit ihren Messern zu, können die Bestie aber nicht töten“.

Abenteuerlich! Nicht weniger abgedreht waren die Interpretationen zum Song: Natürlich geht es um Okkultismus, natürlich besingen die Eagles eine Satanssekte, zu der sie selbst gehören. Zentrum der Sekte: ein angeblich in Mexiko tatsächlich existierendes Hotel California. Und schließlich sei auf dem Plattencover sogar der Kopf von Anton S. Zandor LaVey zu erkennen, dem Begründer der so genannten Satanskirche. Fast harmlos war da schon die Interpretation, der Song sei der Traum eines Junkies. Eine letzte von vielen Alternativen: Der Song besinge eine Psychoklapse! Für die Patienten tatsächlich die Endstation! Denn im letzten Satz heißt es:

„Du kannst zwar jederzeit auschecken – aber weg kommst du hier nie wieder!“

Manche Songpassagen bleiben bis heute im Dunklen: Soll die Anspielung auf „Tiffany“ wirklich auf Mädels verweisen, die für ein geiles Outfit nahezu alles tun? Immerhin haben sie Kurven wie ein Mercedes Benz-Oldtimer, so der Song. Und natürlich sind auch Drogen im Spiel, symbolisiert durch das Wort Colitas! Aber: Warum wird das Jahr 1969 benannt? Wegen des Traums von Freiheit, erlebt 1969 beim Festival of Love, Peace and Music in Woodstock? Oder ist das Konzert der Stones in Altamont gemeint, bei dem nur wenige Monate später ein Jugendlicher ermordet wurde? Oder vielleicht sogar aus beiden Gründen?

Bleibt eine letzte Interpretation zum Song: Vielleicht handelt Hotel California vom Traum der amerikanischen Gesellschaft: Alles ist möglich, der größte Erfolg, aber auch der unheilvollste Absturz. So wie sich menschliches Leben eben immer zwischen zwei Polen abspielt: zwischen Himmel und Hölle, zwischen der Freiheit von Woodstock und dem Chaos von Altamont, zwischen Wirklichkeit oder Schein- und Drogenwelt. Letztlich muss dann jeder für sich entscheiden, zu welcher Seite hin er sein Leben ausrichtet. Damals, als die Eagles ihn komponierten – und natürlich auch heute. In Amerika und hier bei uns. Hier sind die Eagles und Hotel California.

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