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Clash, The – Clampdown

Die Armen zu unterdrücken und sich auf ihre Kosten die Taschen voll zu machen, dazu eine Herrschaftsideologie zu verfolgen, die viele für längst überwunden hielten – dagegen wenden sich „The Clash“ mit ihrem „Clampdown“. Ein Song, der mehr als 45 Jahre nach seinem Erscheinen immer noch aktuell ist.

Spaltung der Gesellschaft

Zunehmender Rassismus und Faschismus, die Spaltung der Gesellschaft durch perfide Propaganda, ein immer autoritärer werdender Staat, der hart und brutal gegen die vorgeht, die angeblich das soziale, wirtschaftliche und moralische Wohlergehen des Landes gefährden – jede Menge Themen, über die engagierte Musiker heute Songs schreiben könnten. Müssen sie aber gar nicht. Denn den vielleicht sogar ultimativen Song, der all diese Themen anspricht, gibt es längst. Und zwar seit 1979. „Clampdown“, „Hartes Durchgreifen“, heißt er, stammt aus der Feder von Joe Strummer und befindet sich auf „London Calling“, dem dritten Album von „The Clash“.

Nicht als Single

Obwohl „Clampdown“ bis zur Auflösung von „The Clash“ im Jahr 1986 fest zum Live-Set der Band gehörte, gab es den Song als Single lediglich in Australien (B-Seite: „The Guns Of Brixton“) und sonst keinem anderen Land. Über die Gründe kann man aus der Rückschau nur spekulieren…

Joe Strummer schrieb den Song unter dem Eindruck der konkreten damaligen, gesellschaftlich-politischen Lage in Großbritannien. Aber er lässt sich bis heute mühelos auf viele Länder übertragen. Ursprünglich war „Clampdown“ ein Instrumentalstück, erhielt erst später seinen kämpferischen Text. Diesem Umstand ist wohl auch der genuschelte, kaum verständliche Text zu Beginn des Songs zu verdanken:

Clampdown

„Das Königreich ist geplündert, alle Juwelen zurückgeholt,
und der Hubschrauber landet.
Sie sind im hinteren Teil versteckt,
zusammen mit einer Nachricht auf einem halbfertigen Tonband.
Während sich die Spule dreht, hört man:
Ich bin wieder hier an diesem Ort!
Und ich könnte weinen. Da ist Rauch, auf den man klicken könnte.
Was werden wir nun tun?“

Punkrock als Sprachrohr für jeden

Resignation und die Sorge um die Zukunft – daraus entsteht die größte Angst der jungen Generation: nämlich so zu werden wie ihre Eltern. Etwa in der Mitte bis hin zum Ende der 1960er Jahre entstehen auf diesem Hintergrund in den USA die Protestsongs der Singer/Songwritergeneration und Woodstock als Ausdruck der Sehnsucht nach Frieden. Ende der 1970er Jahre ist in Großbritannien dieselbe Angst Keimzelle des Punkrock: Mit Punkrock konnte sich jeder vom Establishment abgrenzen. Auch diejenigen, die nicht singen konnten und nur rudimentär ein Instrument beherrschten: Durch Punkrock erhielten sie eine Stimme. Laut, roh und ungeschliffen vermittelte der neue Sound das Gefühl, gehört zu werden.

Gegen Faschismus und Rassismus

Auch im Widerstand gegen eine Politik, die einer rassistischen Ideologie folgt, die dem blonden Blauäugigen und – ins Heute und Jetzt transferiert – der Vorherrschaft der Weißen huldigt. Strummer singt voll beißender Ironie:

„Wir werden den jungen Gläubigen unsere verdrehte Sprache beibringen.
Wir werden unsere blauäugigen Männer zu jungen Gläubigen ausbilden.“

Die Justiz, deren Name sich von der römischen Göttin für Gerechtigkeit, Iustitia, ableitet, stellt „Clapdown“ als willkürlich dar:

Recht oder Willkür

„Der Richter sagte: ‚Fünf bis zehn!‘.
Aber ich sage: ‚Verdoppelt das noch einmal!‘“

Eine derartig repressive Gesellschaft löscht nicht nur die Freiheit des Individuums aus, sondern löscht auch seine Einzigartigkeit. Aber wer hat etwas davon?

Biographisches Joe Strummer

Joe Strummer, bürgerlich John Graham Mellor, wird als Sohn eines britischen Diplomaten in Ankara (Türkei) geboren, lebt zwischenzeitlich in Kairo, Mexico City, Bonn und London. Ähnlich heterogen wie diese jeweiligen Lebensmittelpunkte ist seine Abstammungslinie: Die Mutter stammt aus Schottland, der Vater ursprünglich aus dem indischen Lakhnau (Lucknow). Zu John Graham Mellors weiteren Vorfahren gehören ein armenischer Urgroßvater und eine deutsche Urgroßmutter jüdischen Glaubens. Das alles ist mehr als genug, um aus dem jungen John Mellor einen sensiblen Beobachter zu machen. Einen, der sich für die Dinge und Zusammenhänge hinter aufgesetzten, eindimensionalen Fassaden interessiert.

Dümmliche Reiche vs. politisches Engagement

Schon während seiner Internatszeit konnte der spätere Joe Strummer nichts mit den dümmlichen reichen Mitschülern anfangen (Interview in der LA Times vom 22.1.1984). Sein Aufenthalt im multikulturellen London, bei dem er auch den Inhalten und Hintergründen von Reggae und Ska Kulturen und der knallharten Realität der Thatcher-Ära begegnet, lassen sein politisches Engagement gegen Rassismus und Faschismus noch stärker werden. In „Clamdown“ erkennt er:

Wut kann Macht sein

„Kein Mensch, der mit einer lebendigen Seele geboren wurde,
kann für die Unterdrückung arbeiten.
Tritt die Mauer ein, bring die Regierungen zu Fall.
Wie kannst du das ablehnen?
Lass deiner Wut ihren Lauf.
Wut kann Macht sein.
Weißt du, dass du sie nutzen kannst?“

„Wut kann Macht sein, wenn man sie richtig einsetzt.“

Zumindest Bewusstsein schaffen durch Fragen

Als Moby im Februar 2026 diese Passage aus „Clampdown“ angesichts der Brutalität des ICE in Minneapolis und zweier Todesopfer zitiert, wird deutlich, wie aktuell der Clash-Song immer noch ist.

„Wir waren immer links. Aber trotzdem hatten wir keine Lösungen für die Probleme der Welt“,

so Strummer 2004 bei der Wiederveröffentlichung von „London Calling“. Gleichzeitig stellt er sich die Frage, was er wohl tun würde, würde er die Welt regieren. Die Antwort klingt nach Resignation:

„Ich glaube nicht, dass wir eine Antwort auf diese Frage hatten. Aber wir haben versucht, solche Fragen aufzuwerfen. Wir haben es wirklich versucht!“

Antworten der Bibel

Antworten hätte der bekennende Sozialist in der Bibel gefunden: Denn die fordert dazu auf, die Schwachen, darunter Witwen, Waisen und Fremde (Ex 22,20-23; Mt 25,35-40 u.v.a.), zu unterstützen und gegen Ausbeutung (Spr 22,22-23; Am 2,6-7; Jes 10,1-2), Ungerechtigkeit (Mk 12,31; Jak 5,4) und Unterdrückung (Lk 4,18-19 u.v.a.) vorzugehen. Dass Reiche auf Kosten Ärmerer immer reicher werden (Jak 5,4) – für die Bibel genauso undenkbar wie schnöde Vergeltung oder gar Rache (Dtn 32,35; Mt 5,38-48; Röm 12, 19). Denn wahre Autorität liegt nicht in der Macht, sondern darin zu dienen (Mt 20,25-28; Mk 10,42-45; Joh 13,1-17) – zum Wohle aller Menschen.

Unterdrückten eine Stimme geben

Kann man von einem Rocksong überhaupt verlangen, dass er letztgültige Antworten gibt? Auch wenn Strummer das gern getan hätte, heißt die Antwort dennoch: „Nein“. Was er aber kann, ist, den Unterdrückten eine Stimme zu geben. Und die Menschen aufzufordern, sich nicht durch Geld und gute Worte korrumpieren zu lassen, stattdessen weiter an besseren Lebensbedingungen für alle zu arbeiten. Und damit an einer besseren Welt. Genau das tut „Clampdown“ seit 1979. Und deshalb ist dieser Song immer noch aktuell, vielleicht aktueller denn je. Leider!

The Clash – „Clampdown“

Der bei Classic Rock Radio gesendete Beitrag ist eine Kurzfassung dieses Textes.

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