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3 Doors Down – Heaven

Das schon vor der Bandgründung geschrieben „Kryptonite“ war für 3 Doors Down ein Megahit. Der Song „Heaven“ von ihrem 2011er Album „Time Of My Life“ zeigt Frontmann Brad Arnold von einer besonders nachdenklichen Seite. Der letzte verbliebene Bandgründer ist jetzt an einem Nierenkarzinom verstorben.

Die Suche nach dem Bandnamen

Die Suche nach einem Bandnamen ist nicht immer leicht. Er soll die Bandmitglieder und ihre Musik charakterisieren, einen hohen Wiedererkennungswert haben und möglichst ein Alleinstellungsmerkmal darstellen. Dazu darf er nicht zu kompliziert sein. Und letztlich sollen möglichst alle Bandmitglieder sich mit der Entscheidung wohlfühlen und ihr „Go“ geben. Bei all diesen Kriterien kann die Entscheidungsfindung ganz schön schwierig sein.

Kuriositäten bleiben da zwangsläufig nicht aus. Beispiel Henry John Deutschendorf jr, ein Singer / Songwriter aus New Mexico. Dessen bürgerlicher Name war für US-Amerikaner nur schwer auszusprechen, passte zudem nur schwer auf die in den 1960er Jahren mehr oder weniger handgefertigten Konzertplakate. Also benannte er sich nach der Hauptstadt des Bundesstaates Colorado und hieß von da an John Denver. Das aber seien nicht die wirklichen Zusammenhänge, so der Musiker Barry McGuire („Eve Of Destruction“) bei seinen früheren Konzertreisen durch Songs vornehmlich der Sechziger und Siebziger.

Von Denver bis Nazareth

Laut McGuire sei Deutschendorf in Wahrheit zu einem Gig gekommen und habe voll Entsetzen festgestellt, dass er dort kurz und knapp… als John Denver angekündigt wurde. Einprägsam, gut auszusprechen und kurz genug für Konzertplakate. Der Konzertveranstalter habe Denver gewählt, weil Deutschendorf genau dort seinen vorhergehenden Gig gespielt habe. Dabei blieb es dann auch. Inwieweit Barry McGuires Ausführungen dem „Musikerlatein“ zuzurechnen sind oder tatsächlich der Wahrheit entsprechen, wird sich kaum noch aufklären lassen.

Allein dieses Beispiel mag genügen, warum Bands und Interpreten die Schwierigkeiten mit der Namensfindung gern einfach umgehen. Eins von unendlich vielen Rezepten: Als Band pickt man sich eine Zeile oder ein Wort aus einem Song heraus und verwendet den dann als eigenen Bandnamen. So geschehen, als eine Gruppe musikalischer Schotten den Song „The Weight“ von „The Band“ hörten und dort ihren Bandnamen „Nazareth“ fanden.
In ähnlicher Form fanden Mick Jagger & Co ihren Bandnamen in Muddy Waters Song „Rollin‘ Stone“, „Ladytron“ im gleichnamigen Song von Roxy Music, die „Bad Brains“ im gleichnamigen Song von den Ramones und und und.

Drei Musiker und ein Club

Eine andere Möglichkeit wählten ein paar Musiker aus Excatwapa, Mississippi: Die stießen während einer gemeinsamen Reise auf einen Club mit einem ramponierten Namensschild, von dem lediglich die Buchstaben „Doors Down“ noch einigermaßen zu lesen waren. Und weil Brad Arnold, Matt Roberts, Todd Harrell eben genau drei Musiker waren, setzten sie diese Ziffer vor den verkürzten Clubnamen. Gewissermaßen zählten sie 1+1 zu zwei zusammen, so dass der Bandname „3 Doors Down“ blitzschnell geboren wurde. Dass die Musiker aus Escatawpa, Mississippi, stammen, der Club aber in Foley, Alabama lag, spielt dabei keine Rolle.

“Kryptonite“ mit 15

Weg vom besonderen Namen zur Musik: „Kryptonite“ schrieb Brad Arnolds bereits 1993 und damit drei Jahre vor der Bandgründung. 15 Jahre alt war Arnold damals. Als Entstehungsort für den Song gab er selbst eine augenscheinlich wenig interessante Mathestunde an. Im Jahr 2000 erschien dann endlich die erste Single und machte die Jungs aus dem kleinen Kaff in Mississippi über Nacht bekannt. Danach ging es Schlag auf Schlag weiter: Mit „Loser“, Be Like That“ und „Duck And Run“ folgten weitere erfolgreiche Singles aus dem Debütalbum „The Better Life“. Durch die Folgealben „Away From The Sun“ (2002) „Another 700 Miles“ (genaugenommen eine Live-EP mit sieben Titeln, 2003) und „Seventeen Days“ (2005) festigten 3 Doos Down ihren Ruf als eine der besten Adressen im Bereich Post Grunge und Alternative Rock.

Heaven

Im Juli 2011 veröffentlichten 3 Doors Down ihr fünftes Studioalbum. Das bekam den programmatischen Titel „Time Of My Life“ und liefert über weite Strecken nachdenkliche Texte. Besonders auffällig ist „Heaven“ – ein Song voller Verzweiflung und Selbstanklage. Brad Arnold singt:

„Ich habe mich in dieser Welt verirrt.
Auf der Suche nach einem neuen Weg abgestürzt.
Es ist keine Überraschung, dass es noch schlimmer wurde.
Ich hätte mich nicht so lange selbst belügen müssen,
hätte mich nicht so weit gehen lassen müssen.
Denen, die ich liebe, hätte ich nicht das Gefühl geben müssen,
so allein zu sein.
Ich hätte nicht sterben müssen, um in den Himmel zu kommen
Ich musste nur nach Hause gehen
Ich glaube: Während ich die beste Zeit meines Lebens hatte,
starb meine Seele jeden Tag ein bisschen mehr.“

Religiöse Traditionen der Südstaaten

Sich selbst zu reflektieren, seine Fehler zu erkennen und wieder auf den richtigen Weg zurückzufinden – das ist, so Frontman Brad Arnold damals, das Thema des Songs. Um ihn wirklich zu verstehen, ist ein Blick auf die Herkunft der Band hilfreich:

Bewusst wählt die Band Songthemen, in denen sich ihrer Zuhörerinnen und Zuhörer wiederfinden können. Eine Fundgrube für diese Themen sind eigene persönliche Krisen und reale Erlebnisse. Da 3 Doors Down zudem einem Umfeld entstammen, das stark von religiösen Traditionen und den Kirchen der Südstaaten geprägt ist, finden zum Beispiel in „Heaven“ die Reflexion persönlicher Erlebnisse und religiöse Deutungsmöglichkeiten zusammen. In „Heaven“ geht es daher um die reale Suche nach Stabilität und Konstanz

in Arnolds Leben, die Suche also nach einem Leben ohne Anfechtungen, Probleme und Abstürze. Die Suche nach einem Leben voller Sinn, bei dem man sich selbst nicht verliert.

Dankbarkeit

Brad Arnold ist sich bewusst, dass sein Leben durchaus schlimmer hätte ablaufen können. Deshalb nutzt er früh im Song die Möglichkeit, Dankbarkeit zu zeigen:

„Ich danke Gott, dass du mich nie untergehen ließest.“

Und:

„Durch all das hindurch bist du nie weggegangen!“

Gut zu wissen, dass da jemand ist, der hält, der trägt und hilft, in schwierigen Situationen nicht vollständig den Boden unter den Füßen zu verlieren. „Heaven“ wird zu einem Song des Bedauerns und der Reue, dass sich Arnold nicht viel früher besonnen hat, sein Leben anders zu gestalten.

Reue

Er singt:

„Ich hätte nur nach Hause gehen müssen
in die Arme meines Engels,
in den Frieden, den ich zurückgelassen habe.
Alles, was ich hätte tun müssen, um mein eigenes Leben zu retten:
Ich hätte dir in die Augen schauen müssen!“

Interne Probleme

Heute, rund 15 Jahre später, stellt es sich so dar, als seien 3 Doors Down mit „Time Of My Life“ auf dem Höhepunkt ihres Schaffens gewesen. Ein Höhepunkt, nach dem schrittweise der Abstieg folgt: Denn 2012 verlässt Gitarrist Matt Roberts die Band und stirbt 2016 in Folge von Drogenmissbrauch. Damals wird Gründungsmitglied und Bassist Todd Harrell zum wiederholten Mal wegen Trunkenheit am Steuer verhaftet, der fahrlässigen Tötung für schuldig befunden und verurteilt. Konsequenz erhält er irgendwann um 2012/2013 die Kündigung. (Der Musikexpress schreibt 2018 von einer weiteren Verurteilung zu einer zehnjährigen Haftstrafe.)

Göttliche Präsenz bewahrt vor Totalabsturz

Nicht auszuschließen, dass sich diese Ereignisse bereits bei der Entstehung des Albums „Time Of My Life“ und damit auch von „Heaven“ andeuten oder vielleicht sogar abzeichnen. Zumindest würde dies erklären, warum Arnold im Song seinen Glauben aus der Kiste kramt und eine göttliche Präsenz beschreibt, die ihn vor dem völligen Absturz bewahrt.

Hinzu kommen massive Umbrüche in Arnolds Privatleben: 2007 ließ er sich scheiden und heiratete Ende 2009 seine Freundin Jennifer Sanderford, mit der er sich auf eine Ranch in der Nähe von Nashville, Tennessee, zurückzog.

Leben ändern, umkehren

„Time Of My Life“ zeigt den Musiker in einer massiven Reflexionsphase, die in „Heaven“ zu einem erstaunlichen Ergebnis kommt: Arnold erkennt, dass er sich selbst verloren hat, eigenen Prinzipien untreu geworden ist und dadurch geliebte Menschen verletzt hat. Der Wunsch, sein Leben zu ändern, führt automatisch zu einer neuen Gewichtung der eigenen Lebenswirklichkeit: Die dauerhafte persönliche Befriedigung und damit verbunden der Sinn des Lebens entstehen nicht durch den großen Erfolg. Arnold erkennt, dass es andere Dinge gibt, die das Leben letztlich ausmachen.

Heimkehren

Versteht man die vielbeschworene „Rückkehr nach Hause“ und den dort zu findenden Halt konkret, fällt der Blick natürlich auf Arnolds Ehefrau Jennifer. Der Song lässt aber auch eine Deutung als Metapher zu: Danach wäre das Heimkommen eine Rückkehr zu den eigenen Wurzeln, zur Unbeschwertheit der Kindheit und dem Glauben an einen gütigen Gott. So betrachtet würde der im Songtext angesprochene Engel metaphorisch verstanden zu einem Boten Gottes, einem Schutzengel. Der spendet nicht nur Trost, sondern hilft auch dabei, das Leben neu zu justieren und den Menschen anstelle des Rockstars neu zu entdecken. Was bleibt ist das Bedauern, dass man so lange gebraucht hat, um all diese Lebenszusammenhänge zu erkennen, so Brad Arnold zu „Heaven“.

Tod von Brad Arnold

Im Mai 2025 machte Brad Arnold öffentlich, dass er an einer aggressiven Form von Nierenkrebs erkrankt sei. Am 7. Februar 2026 erlag das letzte verbliebene Gründungsmitglied von 3 Doors Down seiner Erkrankung. Brad Arnold wurde nur 47 Jahre alt.

Nachtrag: Nach dem Erfolg des 2000er Albums „The Better Life“ rief die Band eine gleichnamige Stiftung ins Leben. Hauptaufgaben waren die Unterstützung von bedürftigen Kindern von der täglichen Grundversorgung bis hin zur Entfaltung ihrer Persönlichkeit.

3 Doors Down – „Heaven“

Der bei Classic Rock Radio gesendete Beitrag ist eine Kurzfassung dieses Textes.

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