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Lady Gaga – Applause

Im November kommt „Artpop“, das neue Album von Lady Gaga. Das wird angeblich eine Revolution! Eine Kombination von Musik, Kunst, Mode und Technologie. Oder wie die Sängerin verbreiten lässt: ein musikalisches und visuelles Entwicklungssystem! „Artpop“ werde Teil einer App und eines einzigartigen Multimediaprojekts. Damit das gelingt, hat sich die Lady den US-amerikanischen Künstler Jeff Koons als Unterstützung ins Boot geholt. Dessen Kunst verurteilen Kritiker als Kitsch, Fans feiern ihn als Pionier einer neuen, wegweisenden Kunstform. Und so geht es Koons mit seiner Kunst ähnlich wie der Lady selbst. Die verarbeitet in ihrer Vorab-Single „Applause“ ein kompliziertes Thema: die Macht der Kunst. Zuerst einmal startet die Sängerin eine Art Boxkampf gegen Kunstkritiker, wenn sie singt:

„Ich stehe hier und warte darauf, dass du den Gong schlägst,
um die Kritiker zu zerschmettern, die fragen: Ist es richtig oder ist es falsch?“

Doch der Song ist mehr, hat fast schon spirituelle Dimensionen. Kostprobe:

„In einer Sekunde bin ich Kunst, dann plötzlich ist die Kunst Teil von mir.
Pop Kultur war ein Teil von Kunst, nun sind Künste Teil der Pop Kultur, Teil von mir.“

So einen Satz muss man erst einmal wirken lassen. Wer selbst zum Kunstschaffenden wird, beeinflusst die Kunst, verändert sie, drückt ihr seinen Stempel, sein Gesicht auf. So bleibt er nicht nur ein Teil der Kunst, sondern die Kunst wird ein Teil von ihm.

Gut möglich, dass Lady Gaga hier Erfahrungen verarbeitet, die sie als Schülerin einer katholischen Mädchenschule machte, damals, als sie noch Stefani Joanne Angelina Germanotta hieß. Die Vorstellungen von einem höheren, idealen System, zu dem jeder gehört, dessen Abbild oder Teil man ist. Ein System, dem man sich annähern kann. Und mit dem man, so die Vorstellungen der großen Religionen, auf eine gewisse Weise eins werden kann. – Untypisch wären solche Gedanken für Lady Gaga nicht. Denn schon als 17jährige verfasste sie komplizierte Aufsätze, die sich scharfsinnig mit Kunst, Sozialem und Politik beschäftigten… und mit Religion. Alles zu tun, um dem großen Ziel immer ein Stückchen näher zu kommen? Für Lady Gaga bedeutet dieses Ziel ganz weltlich Applaus, Applaus, Applaus. Und dennoch ist ihr Song ein Anstoß, um über sein eigenes Verhältnis zu Jenseitigem und Göttlichem nachzudenken. Hier ist Lady Gaga und „Applause“

Lady Gaga: Applause, in: ders.: Artpop, Interscope/Universal 2013 bei amazon

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