Creedence Clearwater Revival – Lookin’ Out My Back Door
Für die einen ist „Lookin‘ Out My Back Door“ ein Song, der Drogen verherrlicht, für die anderen ein Kinderlied. Tatsächlich ist der Song eine Aufforderung zur Achtsamkeit und zum kindlichen Träumen.
Hit um Hit aus der Factory
Fünf Longplayalben innerhalb von ziemlich genau zwei Jahren – was Creedence Clearwater Revival zwischen Juli 1968 und Juli 1970 ablieferten, muss man erst einmal nachmachen. Vor allem, wenn man an die Masse der Hits denkt, die sich bis heute bei vielen in den Gehörgängen festgesetzt haben. Kurze, eingängige Songs zu spielen sei besser, als in einer Fabrik zu arbeiten, so damals Schlagzeuger Doug Clifford. Was witzig klang, hatte eine süffisante Kehrseite: Denn Workaholic John Fogerty bestand darauf, nahezu jeden Tag an den Songs der Band zu arbeiten. Ein zweiter Grund, warum die Band mehr oder weniger spaßeshalber ihre Probenräume „The Factory“ nannten.
Cosmos Factory
Bei der Suche nach einem Titel für ihr fünftes Album zählte die Gruppe eins und eins zusammen: Der Name des Probenraums plus der Spitzname von Schlagzeuger Doug Clifford, Cosmo, ergaben in umgekehrter Reihung „Cosmo’s Factory“. Vier Songs des Albums waren Coverversionen. Die übrigen sechs Songs stammten komplett von John Fogerty, wurden von ihm auch allein produziert. Den übrigen Bandmitgliedern gefiel die Rolle als Johns Begleitband zunehmend weniger, was zu zunehmenden Streitigkeiten führte. Obwohl mit „Pendulum“ bereits fünf Monate später das nächste Album großartige Album der Band erschien, war der Niedergang von Creedence Clearwater Revival mit „Cosmo’s Factory“ kaum merklich eingeleitet.
Lookin‘ Out My Back Door
Sechs Songs koppelte die Band als Singles aus. „Lookin‘ Out My Back Door“ hielt sich bei uns mit fünf Monaten am längsten in den Charts, erreichte mit Platz zwei auch die höchste Platzierung. Ausgerechnet bei diesem Song gab es Irritationen. John Fogerty singt:
„Soeben aus Illinois nach Hause gekommen,
schließe ich die Haustür ab.
Muss mich erst mal hinsetzen, auf der Veranda ausruhen.
Die Fantasie setzt ein, schon bald singe ich,
dass ich aus meiner Hintertür schaue:
Da ist ein Rad schlagender Riese, eine Statue mit High Heels.
Jede Menge glückliche Wesen, die auf dem Rasen tanzen.
Denn ein Dinosaurier spielt auf einem uralten Plattenspieler Musik von Buck Owens.
Dazu ein Umzug von Elefanten mit Tamburinen.
Willst du nicht eine Fahrt auf dem fliegenden Löffel unternehmen?“
Schweigen ist gold
Bei denen, die immer alles ganz genau wissen, war der „Fliegende Löffel“ natürlich ein Kokainlöffel. Und „Lookin‘ Out My Back Door“ mit seinen surrealen Bildern eindeutig ein drogenverherrlichender Song.
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„O si tacuisses, philosophus mansisses“, hätte möglicherweise im 5. Jahrhundert nach Christus der Philosoph Boethius die Hände über dem Kopf zusammenschlagend gesagt. Schon 1000 Jahre zuvor wehrt sich in der Bibel der alte Hiob gegen falsche Anschuldigungen seiner Freunde, indem er gottesfürchtig sagt: „Wollte Gott, ihr schwieget, so würdet ihr weise!“ [Hiob 13,5]. Der Volksmund bringt es auf den Punkt mit „Reden ist Silber, Schweigen ist Gold“. Und Dieter Nuhr spitzte vor wenigen Jahren einmal zu: „Wenn man von etwas keine Ahnung hat, dann vielleicht einfach mal die Fresse halten!“
Mr. Grinch-Erfinder lässt grüßen
Dem „fliegenden Löffel“ kommt allenfalls der Rang eines märchenhaften fliegenden Teppichs zu, vielleicht ist es sogar der Spitzname von einer Art Kinderkarussell. Hinzu kommt: Als Kind, so Fogerty, habe er ein Buch des US-amerikanischen Kinderbuchautors, Karikaturisten und Cartoonisten Dr. Seuss gelesen. Der ist bei uns vor allem als Verfasser des Weihnachtshassers Mr. Grinch bekannt. Seuss‘ Kinderbuch „To Think (That) I Saw It On Mulberry Street“ lieferte Fogerty für seine vorbeiziehende Parade mit Tieren.
Dazu passt die Aussage Fogertys, er habe den Song ein Stückweit auch für seinen dreijährigen Sohn Josh geschrieben. Denn er habe gewusst: Josh würde es lieben, seinen Vater „Doot Doot Doo Lookin‘ Out My Back Door“ singen zu hören.
Schutz der Privatsphäre
Trotzdem, vielleicht auch gerade deshalb, hat „Lookin‘ Out My Backdoor“ eine eindringliche Botschaft: Wenn du von der Arbeit nach Hause kommst, lass deine Probleme draußen vor der Tür. Im geschützten Bereich deines Zuhauses darfst du dich fallenlassen, darfst auf eine Traumreise gehen. Dabei symbolisiert die Back Door des Songs, der rückwärtige Eingang, das Portal zu einer Traumwelt, in der sich Realität und Phantasie vermischen. Die absurden Motive im Song haben die Kraft kindlicher Vorstellungskraft und sie sind durchweg positiv. Zumindest vorübergehend zu denken wie Kinder und entsprechend unbelastet zu sein, bedeutet gleichzeitig einen Ausbruch aus dem Alltag, der oft genug alles andere als positiv ist.
Morgen ist auch noch ein Tag
Ganz nebenbei liefert Fogerty noch einen Haupttipp, wenn er sinngemäß singt:
„Meinetwegen nerv mich morgen.
Aber heute lass mich mit deinen Sorgen in Ruhe!“
Ein Satz, der gewaltig an Scarlett O‘ Hara, gespielt von Vivien Leigh im Klassiker „Vom Winde verweht“ erinnert, wenn die soeben Verlassene keinen Grund für Panik, Sorgen und blinden Aktionismus sieht. Das hat bis morgen Zeit. Das wird sich klären. Zu gegebener Zeit. Auch für John Fogerty zählt vor allem das Hier und Jetzt. Einer ungewissen Zukunft wird er zu gegebener Zeit mit einer gehörigen Portion Gottvertrauen begegnen. Eine Lebenshaltung, die mehr als 55 Jahre nach Erscheinen des Songs und angesichts unsicherer Zeiten wieder aktuell zu sein scheint.
Creedence Clearwater Revival – „Lookin‘ Out My Backdoor“
Der bei Classic Rock Radio gesendete Beitrag ist eine Kurzfassung dieses Textes.
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