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Rafferty, Gerry – Baker Street

Trauer schon im neuen Jahr: Am 4. Januar meldeten die Agenturen den Tod von Gerry Rafferty. Mit seinem Song „Baker Street“ war er zumindest musikalisch unsterblich geworden. Aber seine Lebensgeschichte ist geprägt von Enttäuschungen und Hoffnungen: drittes, unerwünschtes Kind der Familie; der Vater ein irischer Dickschädel und grobschlächtiger Bergarbeiter; taub soll der gewesen sein, auch gegen die Gerrys Schmerzensschreie, der häufig brutale Prügel einstecken musste. Und aufsässig war Daddy, sang am liebsten irische Rebellenlieder. Angeblich ging Mama oft so lange mit Klein-Gerry spazieren, bis der Vater ermüdet von Arbeit und Suff eingeschlafen war. Kein Wunder, dass sich Gerry vor allem zu seiner Mutter hingezogen fühlte: Mary Skeffington, so ihr Mädchenname, wurde zum Titel eines der frühen Rafferty-Songs. Die liebende Mutter, die sich immer wieder schützend vor ihren Sohn stellte, und der unbarmherzige, gewalttätige Vater – eine klassische Gut-Böse-Situation, hautnah, Tag für Tag! Irgendwie typisch, dass sich Rafferty zeitlebens für katholische Kirchenlieder über Erlösung, Barmherzigkeit und Vergebung begeisterte!

Ebenso typisch die vielen religiösen Versatzstücke in seinen Songs – vielleicht beeinflusst durch seinen langjährigen christlichen Gitarristen Bryn Haworth. In „Don’t Give Up On Me“ singt Rafferty davon, dass jeder Mensch sein Kreuz auf sich nehmen muss. Fast flehentlich bittet er: „Gib mich nicht auf, lass mich nicht hängen“, wie es in dem S o n g heißt. Oder sollte man „gesungenes Gebet“ sagen? Ums Beten ging es auch bei einem LP-Titel: „On A Wing And A Prayer“ verwendet eine Redensart englische Piloten im zweiten Weltkrieg: Von Kampfeinsätzen gegen Deutschland kehrten die oft nur knapp zurück, „mit nur einem Flügel und einem Gebet“ auf den Lippen.

Gerry schlug sich lange als Straßenmusiker durch – in der Londoner „Baker Street“, dem fiktiven Wohnsitz von Sherlock Holmes. Trauer, Einsamkeit und die Gefahr, im Leben zu scheitern, sind Themen des gleichnamigen Songs. Als größter Hit Raffertys hinterlässt der auch die Hoffnung: Nie aufgeben! Man kann dem Elend entkommen.

Seinen Mustern konnte Gerry Rafferty nicht entkommen. Jahrelang alkoholkrank – wie sein Vater – und menschenscheu hat er sich von einem Zusammenbruch im letzten Jahr nicht mehr erholt. Am 4. Januar starb er. Sein Song „Baker Street“ bleibt.

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