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Fallon, Brian – Painkillers

Am 29. Juli 2015 schickte Brian Fallon zum Entsetzen der Fans seine Band The Gaslight Anthem in eine lange Pause – jetzt endlich ist die beendet. Na gut, zwischendurch hat die Band trotz offizieller Pause das eine oder andere Konzert gegeben; 2018 gab eszum zehnjährigen Jubiläum der alten „The ‘59 Sound“ eine Session-Compilation mit B-Seiten und alternativen Versionen. Aber nun werfen große Ereignisse ihre Schatten voraus, wie man so sagt:

Nicht im Gaslight Café

Denn The Gaslight Anthem sind wieder da, treten in diesen Tagen zu diversen Festivals und mehreren Headline-Shows wieder in Erscheinung. Klar, dass die Bands heute ganz andere Locations füllt als jenes berühmte Gaslight Café in Greenwich Village in New York City, in dem ja schon Bob Dylan auftrat und von dem die Band sich bekanntermaßen ihren Namen entlehnte. Klar auch, dass die Fans natürlich auf neue Stücke einer der amerikanischten aller amerikanischen Bands hoffen. Mal sehen, was wir da in den nächsten Monaten noch zu hören bekommen.

We want to be The Ones, y’know?

Sprung zurück, in das Jahr 2015. Da also schickte Brian Fallon seine Bandkumpels in den vorübergehenden Ruhestand. Aber er erfreute uns mit einer ganzen Reihe von Songs, die er in dieser Form mit seinen Kollegen wohl kaum eingespielt hätte – wenngleich auch niemand anderer etwas dagegen gehabt hätte außer wohl er selbst.
So brachte 2016 der Mann, der mit dem legendären Satz „We want to be The Ones, y’know?“ die Bandkarriere startete,

Painkillers

ein fantastisches Soloalbum an den Start, dessen Titeltrack bis heute nichts von seiner Intensität verloren hat: „Painkillers“. Das Album ist schon deshalb ein großes Rockalbum, weil jeder Song eine Geschichte erzählt. Eigentlich eine einfache Sache. Aber genau so funktioniert nun mal Rock ’n‘ Roll. Hatte Fallon 2014 noch in „Get Hurt“ die schmerzhaften Erfahrungen rund um seine Ehescheidung verarbeitet, steckt „Painkillers“ voller Hoffnung und Zuversicht. Das gilt nicht nur für das Album, sondern auch für den gleichnamigen Song.

„Ich spüre, wie du dich durch diesen überfüllten Raum bewegst
Und ich fange mich, als ob ich unter einen Bann von dir geraten wäre.
Hier war ich schon einmal!
Habe beobachtet, wie sich die Räder immer weiterdrehen.
Aber alle, die ich je gekannt haben,
leider Schmerzen die ganze Nacht über und wachen alleine auf.“

Wie Phoenix aus der Asche

Auch in „Painkillers“ geht es, wie in so vielen anderen Songs, um den Schmerz einer beendeten Beziehung. Aber

es geht um mehr: nämlich auch darum, die Vergangenheit hinter sich zu lassen, sie am besten zu vergessen. Vor allem aber darum, sich so weit von der Vergangenheit zu befreien, dass man ohne von ihr belastet zu sein einen Neustart wagen kann. Quasi wie Phoenix aus der Asche. Die Frage, ob Brian Fallon selbst dies konnte, beantwortet der Song mit einem deutlichen „ja“. Ein Musikkritiker wollte sogar im Song hören, wie Brian Fallons Seele aus der Tür hinausgehe und alles, was ihn gebunden und festgehalten hat, hinter sich lässt. Wie dem auch sei: Fallon zeigte deutlich, dass er auch ohne Rückendeckung seiner Bandkumpels arbeiten kann. Und das sogar erfolgreich.
Musik als Painkiller

Musik sei für viele Menschen so etwas wie ein Lebensbegleiter, erklärte er im Interview mit HMV.com. Gerade wer in Schwierigkeiten oder gar am Boden ist, fühle sich mit der passenden Musik besser. Für ihn selbst sei Musik immer eine beruhigende Sache gewesen, so der Musiker. Und dann kommt der entscheidende Satz: Musik sei eben wie ein Schmerzmittel. Und das wollte er gern mit einem Titel ausdrücken, der quasi in einem Wort all dies symbolisiert und zusammenfasst. So sei ihm dann der Titel „Painkillers“ eingefallen.
Tatsächlich ist Musik in vielen Situationen ein Trost: Mütter beruhigen durch Singen ihre Kinder, an Demenz Erkrankte finden durch Musik wieder einen vorübergehenden Zugang zum Leben. Und die Erfahrung, dass Musik helfen kann, ein Tief zu überwinden, dürfte fasst jeder schon einmal gemacht haben.

Nutzt meine Musik als Painkillers

Als leidenschaftlicher Musiker, der die Macht der Musik am eigenen Leib erfahren hat, macht Brian Fallon mit seiner Musik ein Angebot:

„Benutze mich! Benutze mich! Kann ich genug sein?
Komm und benutze mich. […]
Ja, willst du nicht ein bisschen Erleichterung? […]
Komm, hol deine Schmerzmittel von mir.“

Der Mann, der in einem Kirchenchor groß wurde und zuletzt eine ganze CD mit mehr oder weniger religiösen Liedern veröffentlicht hat, schlüpft hier in megagroße Fußstapfen: Denn in der Bibel ist es Gott, der den Menschen anbietet: Ich bin für euch da! Brian Fallon scheint zu denken: Mit meinen Gaben und Fähigkeiten, die ich geschenkt bekommen habe, kann ich auf meine Weise für die Menschen da sein. Wenn sie denn wollen. Und man sollte wollen. Denn Brian Fallon hat schon immer ein Fable dafür gehabt, aus Herzschmerz und Verlust nicht nur große Kunst zu machen.

Hoffnung dank religiöser Sozialisation?

Sondern eine ganze Portion Hoffnung daraus zu ziehen. Und diese zu vermitteln. Kein Wunder. Betont er doch im Interview, dass das Leben nun mal endlich sei. Wir Menschen aber würden immer wieder denselben Fehler machen: nämlich uns von Dingen und Menschen abhängig zu machen, dabei aber zu wenig miteinander zu reden. Und viel zu wenig voneinander preiszugeben. Übermächtig sei nämlich die Angst, aufgrund seiner Offenheit angreifbar zu werden. Dabei könne man einem geliebten Menschen gar nicht oft genug sagen und zeigen, wie sehr man ihn liebt. Sein indirekter Tipp: sich selbst nicht ganz so wichtig nehmen, sich stattdessen mehr um den Partner oder die Partnerin bemühen.

Genau das scheint Brian Fallon auch mit „Painkillers“ tun zu wollen. Freuen wir uns also auf hoffentlich neue Songs – und tanken wir Kraft bei einem, der sich genau dafür anbietet: Brian Fallon und „Painkillers“.

Der bei Classic Rock Radio gesendete Beitrag ist eine Kurzfassung dieses Textes.

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