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Hendrix, Jimi – Hey Joe

Die Geschichte des größten Rockgitarristen aller Zeiten liest sich wie ein Abenteuerroman von Jack London: Der Vater schenkt ihm eine Ukulele mit einer einzigen Saite, aber kaum ist der Bengel 17 und hat ein paar Dollars in den Taschen, kauft er sich eine elektrische Gitarre, übt wie ein Besessener und schenkt der Welt zehn Jahre später einen neuen Sound: James Marshall Hendrix, von allen nur Jimi genannt. Seine Art des Gitarrespiels riss selbst hartgesottene Gitarristen aus der Lethargie: Rückkopplungen, bis dahin der Todfeind eines jeden Rockgitarristen, werden von Jimi bewusst eingesetzt, genauso wie Frequenzüberlagerungen und die Störgeräusche von Verstärkern, an denen er vorher kräftig herumgewerkelt hat. Hendrix nutzt „diesen Lärm“ bewusst als Kunstform. Als er beim legendären Monterey-Popfestival seine Gitarre in Brand setzt, löst er einen Skandal aus… und ist berühmt. Zwei Jahre später, bei seinem Woodstock-Konzert, hält die Welt den Atem an. Jimis Version der us-amerikanischen Nationalhymne trifft die Nation ins Herz. Für die Gegner des Vietnamkrieges wird sie zu so etwas wie einer heiligen Hymne: Denn Hendrix integriert in sein Gitarrenspiel die Geräusche von Bombenabwürfen, durchstartenden Militärmaschinen und über den Boden hüpfenden Napalmbomben. Hendrix Form des Protestes gegen den Vietnamkrieg, frei nach dem Motto: Du sollst nicht töten.

Aber ausgerechnet mit einem Song, der vom Morden handelt, landet Hendrix einen seiner ersten wirklichen Hits. „Hey Joe“ erzählt die Geschichte von einem Mann, der mit einem Gewehr in der Hand herumläuft. „Hey Joe, was machst du mit deinem Gewehr“, fragt ein Bekannter. Die Antwort: „Ich will meine Geliebte abknallen, weil sie mit einem Anderen herumgemacht hat.“ Joe tötet tatsächlich, und er versucht seiner gerechten Strafe zu entfliehen. „Ich gehe nach Süden, hinunter nach Mexiko. Da kann ich frei sein“, sagt Joe. Und mit einem immer verzweifelter werdenden Gesang, untermalt von einer treibenden Gitarre, endet das Stück.

Literaturpapst Reich-Ranitzki würde vermutlich fragen: „Was will uns der Musiker mit diesem Song sagen?“ Vielleicht, dass jede Tat auf den Täter zurückfällt, dass auch er seines Lebens nicht mehr froh wird? Oder: dass Mord keine Lösung ist?“ Hendrix lässt die Antwort offen. Vielleicht war er selbst zu jung für eine klare Antwort, vielleicht wollte er sein Publikum aber auch ermuntern, selbst eine Antwort zu geben. Fest steht nur eines: Von den Mühlen des Rockbusiness zermahlen flüchtet sich Hendrix, längst vereinsamt, in die Drogen. Und stirbt, gerade erst 27 Jahre alt.

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