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Odell, Tom – Another Love

Vor rund zehn Jahren feierte der Engländer Tom Odell mit „Another Love“ seinen ersten Hit. Als dann noch ein Anbieter aus der Mobilfunkbranche den Song in Deutschland und Österreich für seine Werbung einsetzte, machte das das Stück noch ein bisschen bekannter. Ein Song über Frustration in der Liebe. Eigentlich ein Song, wie er alle Tage vorkommt. Eigentlich!

Neuer Kontext durch Ukraine-Krieg

Bis Tom Odell sich im März letzten Jahres in Rumänien an einen Bahnhof setzte und „Another Love“ für ankommende Flüchtlinge aus der Ukraine spielte. Schlagartig war der fast vergessene Song wieder da. Doch all das ist nichts, was in den letzten Wochen mit dem Song passierte. Unversehens wurde er – zumindest bei uns im Westen – zum musikalischen Protest gegen das Mullah-Regime im Iran; zum Mutmacher für all die Menschen, die dort im Kampf um Frauenrechte und Gleichberechtigung auf die Straße gehen. Und ihr Leben riskieren. Ein Song, der wie für diesen Protest gemacht zu sein scheint. Denn in ihm heißt es:

„Wenn jemand Dir wehtut, will ich kämpfen,
aber meine Hände sind zu oft gebrochen worden.
Deshalb nutze ich meine Stimme!
Ich werde so verdammt unverschämt sein!
Worte werden immer gewinnen,
auch wenn ich weiß, dass ich verlieren werde.“

Steil auf Tik Tok

Unzählige Schnipsel des Songs kursieren bei Tik Tok und unterlegen Frauen, die sich demonstrativ ihre Haare abschneiden. Auch Comedian Carolin Kebekus sang den Song: Iranierinnen, die sich nicht frei äußern könnten, bäten darum, dass andere ihre Stimmen für sie erheben. Sprachs und ließ Bilder vom Vorplatz des Kölner Doms einblenden, wo Hunderte in den gesungenen Protest einstimmten – mit Kerzen als Zeichen der Hoffnung in den Händen.

Neuer Kontext durch Mord an Jina Mahsa Amini

Klar, im Iran verhallt derartiger Protest ungehört. Aber genauso klar bekämpft ihn das herrschende Regime mit aller Macht. Zur Erinnerung: Am 16. September, wenige Tage vor ihrem 23. Geburtstag, wurde Jina Mahsa Amini von der islamischen Sittenpolizei festgenommen, weil ihr Kopftuch nicht richtig saß. Dass die junge Frau anschließend einen Herzinfarkt sowie einen Schlaganfall erlitt und an deren Folgen starb, ist die offizielle Lesart des Vorfalls. Dass die Sittenpolizisten immer wieder vehement auf Aminis Kopf eingeschlagen hätten, die andere. Sofort flammten Proteste auf. Aus einer Reihe von Tweets machte der Sänger Scherwin Hadschipur den Song „Baraye“. Prompt wurde er festgenommen. Und entschuldigte sich kurze Zeit später für seinen Song.

Vielfach wird angenommen, dass die Entschuldigung aufgrund von massiver Gewaltandrohung erfolgte. Aus der Welt ist der Song damit aber nicht. Im Gegenteil.
Widmung Konzert in Hannover

Das gilt auch für Tom Odells „Another Love“: Im September widmete der Sänger bei einem Konzert in Hannover seinen Song ausdrücklich den Frauen im Iran. Man sei zwar weit weg vom Iran. Dennoch wolle man sich mit diesem Song mit all denjenigen solidarisch zeigen, die sich im Iran für Frauen- und damit für Menschenrechte einsetzten.

Mit Musik die Welt verändern?

Kann Musik die Welt verändern? Sicher nicht. Aber sie kann dazu beitragen, dass Menschen nachdenklich und sensibel werden, sich informieren und sich dann solidarisch zeigen. Denen also von außen den Rücken stärken, die vor Ort gegen Unterdrückung ankämpfen; die unter Gefahr für Leib und Leben nichts anderes wollen als in Frieden und Freiheit zu leben.

Die Stimme für andere erheben

Für andere die Stimme zu erheben, sich für die stark machen, die das aus unterschiedlichen Gründen nicht können – nach christlicher Vorstellung besteht genau darin eine wesentliche Aufgabe des Menschen in seinem alltäglichen Leben.
Künstler wie Tom Odell haben eine Stimme, werden gehört… und können sich deshalb für eine gute Sache starkmachen. Und wer weiß: Vielleicht ist ein Song wie „Another Love“ dann doch ein winziges Puzzleteilchen, um die Welt am Ende doch ein bisschen besser zu machen.
Tom Odell und „Another Love“.

Der bei Radio Salü gesendete Beitrag ist eine Kurzfassung dieses Textes.

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