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ZZ Top – La Grange

Wenn Rocksongs wahre Begebenheiten aufgreifen, wird es besonders spannend. Schönes Beispiel: der Song „La Grange“, 1973 eingespielt von den längsten Vollbärten des Rock, ZZ Top. Die stießen auf eine bizarre Geschichte: Außerhalb des texanischen Städtchens La Grange kaufte 1905 Jessie Williams ein Haus. In nur wenigen Jahren wurde daraus ein bekanntes, gut florierendes Bordell.

Probleme gab es nur in der sogenannten „Großen Depression“, also der US-amerikanischen Wirtschaftskrise, die ab 1929 wie bei einem Flächenbrand die gesamte Welt ansteckte. Da damals das Geld quasi im Minutentakt an Wert verlor, kam Puffmutter Jessie Williams auf eine clevere Idee: Für Sex verlangte sie in ihrem Bordell nicht mehr Bargeld, sondern… Tiere. Besonders beliebt: Hühner. Und weil es rund ums Bordell schon nach kurzer Zeit nur so von Federvieh wimmelte, bekam es einen passenden Spitznamen: Chicken Ranch. Der machte schnell die Runde. Bei ZZ Top hört sich das so an:

“Es gibt ein Gerücht über einen Schuppen außerhalb von La Grange.
Du weißt schon, wovon ich rede. Sag mir einfach Bescheid, wenn du da hin willst,
in dieses Haus da draußen. Die haben eine Menge netter Mädchen.
Wie ich höre, ist es da sehr gut, wenn man die Zeit dafür hat
und den Zehner, damit man rein kommt. Angeblich ist es da jeden Abend voll.
Jetzt könnte es natürlich sein, dass ich missverstanden werde…“

Das „Missverständnis“ ließ nicht lange auf sich warten. Denn für fromme Christen im US-amerikanischen Bible Belt ist nicht nur der Song eine Provokation, sondern natürlich auch das Bordell selbst. Schließlich gilt nicht nur für sie: Gott hat den Menschen nicht dafür geschaffen, dass man ihn zur Ware degradiert. Prostitution – nein danke, könnte man sagen. Alles korrekt und gut. Aber zu kurz gegriffen. Bis heute ist Prostitution ein gesellschaftliches Problem. Weil nämlich Frauen festgehalten und viel zu oft zum Sex gezwungen werden. Kasse machen mit dem Körper anderer, Zwangsprostitution als florierender Wirtschaftszweig krimineller Banden – leider schreckliche Wahrheit. Wer also wirklich etwas gegen Prostitution unternehmen will, der sollte vor allem kriminellen Menschenhändlern das Handwerk legen. Und weltweit dafür etwas tun, dass sich keine einzige Frau der Welt aus Not prostituieren muss. – Insofern hat der süffisante Song von ZZ Top längst etwas Gutes: Er lenkt den Blick auf ein Thema, bei dem viele am liebsten nur verschämt wegsehen. Und das nicht nur in La Grange, sondern überall auf der Welt. Danke schön, ZZ Top.

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