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Marley, Bob – No Woman No Cry

Einer der schönsten Love-Songs der Popgeschichte oder einer der traurigsten? Recht haben diejenigen, die sagen: Bob Marleys No Woman No Cry ist vor allem ein politischer Song. Denn wie die meisten Marley-Songs wendet er sich gegen die herrschenden Weißen auf Jamaika. Die symbolisieren für ihn ein Unrechtssystem, setzen die Sklaverei mit modernen Mitteln fort. Im Songtext heißt es:

“Ich weiß noch, wie wir auf dem Platz der Regierung in Trenchtown saßen
und diese Heuchler beobachteten.
Wie sie sich unter die guten Menschen mischen wollten, die wir getroffen haben.
Gute Freunde hatten wir, oh, gute Freunde haben wir verloren.
Auf dem Weg in diese große Zukunft darfst du deine Vergangenheit nicht vergessen.”

Die Situation auf Jamaika ist Mitte der 70er Jahre, als der Song entsteht, problematisch: Wenige Weiße haben die Macht; die Masse der Schwarzen hat miese, zudem schlecht bezahlte Jobs, wenn überhaupt. Aber sie sind Brüder, teilen das wenige, was sie haben. Auch die Nahrungsmittel, wie es im Song heißt. In der Armut herrscht Liebe; hier ist man füreinander da.
Bob Marley bekannte sich zur Religion des Rastafarianismus, war mit Musikerkollege Peter Tosh das wichtigste Sprachrohr der Rastas. Das Ziel: Irgendwann würden die Schwarzen wieder nach Afrika zurückkehren. Dorthin, woher weiße Skalvenhändler Jahrhunderte vorher ihre Vorfahren verschleppt hatten. Ihre Hoffnung setzen die Rasta auf Haile Selassie, den früheren Kaiser von Äthiopien. Der war für sie der wiedergekehrte Christus, der Messias; Führer auf dem Weg in eine glorreiche Zukunft.
Der Refrain No Woman No Cry kann dabei doppeldeutig verstanden werden: zum einen als Aufforderung an die Männer: Wenn ihr keine Frau habt, die um euch weint, dann fällt euch der Kampf gegen die verhassten Beherrscher umso leichter. Zum anderen aber auch an die Frauen, nicht zu weinen. Gott wird eure Tränen trocknen. Er wird alles zum Guten führen. – Wenigstens hier stimmen Christentum und Rastafarianismus – trotz aller sonstigen Unterschiede – überein.

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