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Schulz, Purple

Gemeinsame Sache – eines dieser Konzerte aus der großartigen Reihe von Purple Schulz mit seinem langjährigen Begleiter Josef Piek, außerdem mit Heinz Rudolf Kunze und dessen Gitarristen Wolfgang Stute. Wir sind zum Interview verabredet, doch Purple kommt nicht. Längst ist es Zeit für den Soundcheck, doch Purple ist immer noch nicht da. Heinz Rudolf und Wolfgang gehen auf die Bühne, ziehen ihren Soundcheck vor. Dann, endlich: Die Tür schwingt auf, herein kommt ruhig und gelassen Josef Piek, ihm folgt aufgekratzt und lebendig Purple Schulz. Drei Stunden im Stau – die Anreise war ein Albtraum (, den man jetzt – auch wenn dabei die Etymologie verloren geht – auch „Alptraum“ schreiben darf…). Ein kurzer Soundcheck, die ersten Besucher sind schon vor der Tür. Dabei wollen die vier Musiker doch erst einmal essen – im Hotel, in dem sie untergebracht sind, zwei Kilometer entfernt. Das Interview kann ich wohl knicken, oder?
Kann ich nicht. Purple bringt die Reisetasche auf sein Zimmer, bestellt sein Essen… und hat alle Zeit der Welt für mein Interview.
Auf die Frage, ob er eigentlich noch auf seinen Taufnamen „Rüdiger“ hört, reagiert er irritiert: Es scheint so, als habe ihn darauf nun jahrelang niemand mehr angesprochen. Trotzdem erzählt er die wunderschöne Geschichte, wie aus Rüdiger der allseits bekannte Purple wurde. Irritierend sind auch die Fragen zum Thema „Religion“: Schon vor Jahren ist er, der Kritische, politisch Linke, aus der Kirche ausgetreten. Die unpersönliche Rede des Pfarrers am Grab der geliebten Tante Trude, die als fromme Kirchgängerin mehr verdient gehabt hätte, die persönliche Glaubensvorstellung von Purple, ein paar Songs, in denen er den Themenkreis „Gott und Glaube“ anspricht, der Stolz auf seinen Sohn Ben, mit dem er zusammen eine Single aufgenommen hat – über all das spricht Purple Schulz ruhig, engagiert und unglaublich interessant. Dass er den angebotenen Job als Juror bei einer Pro 7 / Kanal eins – Castingshow ausgeschlagen hat, verwundert nicht. Sein Mitwirken bei der Kölner Stunksitzung ist ihm wichtiger! Und zwischendurch spürt man deutlich: Purple Schulz hat seinen persönlichen Weg gefunden, weil er zu jeder Zeit ein Suchender, ein Fragender ist, immer noch, auch heute!
Was soll man da noch ergänzen? Dass er als erste Single den Heintje-Song „Ich bau dir ein Schloss“ durch den Wolf gedreht hat? Dass „Sehnsucht“, „Kleine Seen“, „Nur mit dir“, „Bis ans Ende der Welt“, „Du hast mir gerade noch gefehlt“, „Schöne Leute“ und natürlich „Verliebte Jungs“ auch heute noch großartige Songs sind? Dass wir eine radikale Veränderung in der Gesellschaft brauchen, vor allem aber, dass man sich um Kinder viel mehr bemühen und kümmern muss, hält Purple für die vielleicht größten Herausforderungen. Und dass er….
Das Essen kommt. Dann schnell zurück zur Location, zweimal kurz durchschnaufen, Scheinwerfer an, Applaus … und ein grandioser Abend beginnt mit Purple Schulz und Josef Piek, Heinz Rudolf Kunze und Wolfgang Stute.

P.S.: „Was du mich da über Religion gefragt hast – darüber müssen wir noch mal in Ruhe reden. Wir können ja mal telefonieren!“ Das ist das Erste, was Purple Schulz nach dem Konzert zu mir sagt. Kann doch wohl nicht sein, dass diese Fragen während des Konzerts in ihm gearbeitet haben? „Ja, Purple, gerne. Oder wenn wir uns das nächste Mal sehen!“ Und dann kommen die Files auch wieder auf diese Seite…

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